Leseprobe

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Plötzlich wurde die Abteiltür aufgerissen. Ein Partisane in Phantasieuniform stürzte ins Abteil, packte mich an der Gurgel, zog mich hoch und schrie mich an. Dass ich ihm nicht antwortete, versetzte ihn noch mehr in Rage. Er zog seine Pistole, entsicherte sie und legte auf mich an. Ich hatte den Eindruck, jetzt nähert sich der Traum dem Ende. Zwei Gedanken zogen mir durch den Kopf, während ich die Pistolenmündung anstarrte. Ich wollte sehen, wie das Geschoss aus der Pistole fliegt und - "Du musst Deine Arschbacken fest zusammenkneifen!" Das Sprichwort, jemand macht sich vor Angst in die Hose, deutete seinen Wahrheitsgehalt an....

Ich stehe 1996 vor dem Bahnhof von Zelezny Brod, wo ich 1945 an meinem 15. Geburtstag erschossen werden sollte.

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...Während einer Schicht stand ich in einem solchen Dom und schaufelte einen Hund voll. Immer wieder hielt ich inne und horchte. Es klopfte, knackte über mir, ab und zu fiel ein Kohlekörnchen von der Decke auf meinen nackten Rücken. Das spürte ich wie einen elektrischen Schlag. Als ich wieder einmal zu schaufeln aufhörte, um die Lage zu bedenken, kam der Hauer und fragte: "Jendo, co jest, - was ist los?" - Ich entgegnete: "Das bummert jetzt so gefährlich und Kohlenstaub fällt von der Decke!" - "Ach," meinte er auf tschechisch, "das bedeutet nichts!" Kaum hatte er das gesagt, begann ein Donnern, ein Krachen; ich versuchte mich auf der einen Seite am Hund vorbei in den Stollen zu retten...

Abbau von Kohle in einem ‘Dom’ von 10 m Mächtigkeit.

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... Die Leserzuschrift wurde nicht gedruckt. Stattdessen sah ich zwei Tage später einen Mann in Stiefeln, Ledermantel, dunklem Schlapphut und weißem Hemd mit Schlips über die kreuz und quer liegenden Bohlen auf dem Schiff, wo ich gerade Glaswollmatten verlegte, herumstaksen und die anderen Arbeiter etwas fragen. Als der eine Arbeiter auf mich zeigte, bekam ich einen ordentlichen Schrecken. Ich fühlte mich plötzlich in die Tschechei zurückversetzt und musste an mich halten, um nicht wegzulaufen. "Bist Du der Hans-Jürgen Hantke?" fragte er mich. Als ich bejahte, sagte er, ich solle mit ihm zum Politbüro mitkommen. Mit klopfendem Herzen trottete ich hinter ihm her...

Weil ich nicht studieren durfte, arbeitete ich auf der sowjetischen Werft in Rostock.

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... Das Studium begann, ich hörte die Grundvorlesungen, schrieb eifrig mit, verstand immer weniger, denn gleich nach den Vorlesungen schwang ich mich auf das von meinem Bruder geliehene Fahrrad und ab ging es zum Arbeiten in die Milchversorgung. Irgendwann wird der Knoten platzen, dachte ich. Doch ich wusste, auch hier musste eine andere Lösung gefunden werden.

Ich versuchte es bei der Studentischen Sozialfürsorge. Dort schilderte ich meine Situation. Die Reaktion war anders als erwartet: "Gehen Sie doch wieder zurück in die Ostzone, wir haben hier in Westdeutschland genug Studenten!" - Puh, das war wohl nichts!...

Mein Bruder und ich beim Umzug mit unseren ersten eigenen Möbeln.

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ICH WAR EIN BEGEISTERTER HITLERJUNGE, BIS...

von Hans-Jürgen Hantke

Ein Jungenschicksal nach dem Zweiten Weltkrieg

Biograph Verlag,
300 Seiten, Mit 30 Fotos und Dokumenten

ISBN 3-905248-22-0

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